Wie Klettern dein Selbstvertrauen stärkt

Isabella

Vor kurzem habe ich an einem Klettereinsteigerkurs teilgenommen. Ich hab zu Schulzeiten geklettert, aber die Höhe hatte mir damals schon ziemlich zu schaffen gemacht. Ich war damals nicht unbedingt auf der mutigen Seite des Lebens unterwegs muss man wissen. Jetzt kann ich es eigentlich gar nicht mehr so wirklich erklären woher die Motivation kam es wieder auszuprobieren, aber sie war da und ich musste dieser Sportart nochmal eine Chance geben. Während dem Kurs hat mich dann wirklich das Kletterfieber gepackt!

Ich kann es selbst noch gar nicht richtig glauben, aber es hat gerade alles was ich mir von einer Sportart wünsche. Vor allen Dingen die Tatsache, dass sie eine Indoor und auch Outdoor Sportart ist. Es macht riesig Spaß und ich werde wohl noch einen Kurs dranhängen, damit ich wirklich alles beherrsche und losziehen kann.

Was macht Klettern eigentlich so besonders?

Ich wollte Klettern aus einem ganz bestimmten Grund von der Pieke auf wieder lernen. Vieles lässt sich dabei trainieren und auf den Alltag und andere Bereiche übertragen. Wir wollen ja in vielen Dingen hoch hinaus bzw. ein Ziel erreichen. Dabei brauchen wir Vertrauen in uns und in das Leben selbst. Wir lernen was es bedeutet durchzuhalten, etwas aus eigenen Kräften zu erreichen und taktisch mit den eigenen Stärken umzugehen.

Klettern lässt sich auch therapeutisch nutzen, was zwar noch recht unbekannt, dafür aber definitiv nicht weniger effektiv ist! Also dann, was macht klettern so toll und warum finde ich, dass es eines der besten Sportarten für dich ist, wenn du dich persönlich weiterentwickeln möchtest.

Hier stelle ich dir sechs Gründe vor, warum Klettern mehr bietet als körperliche Anstrengung:

1. Du lernst prozessorientiertes Denken

Wenn es dir so wie mir geht und du doch eine Menge Respekt (um nicht zu sagen Angst) davor hast an einer 15 Meter hohen Kletterwand zu kleben, dann ist das erst mal völlig ok. Wenn du dann aber immer höher steigst und dich auf deine Route konzentrierst, wirst du merken, dass du schon eine ganze Weile nicht mehr an den Boden unter dir gedacht hast, der sich mit jedem Tritt immer weiter entfernt.

Warum? Weil du prozessorientiert denkst und voll im Hier und Jetzt bist. Und ich sag dir das ist mega! Der Gedanke zu fallen und sich dabei zu verletzen ist so weit weg wie der Mond am Himmel. Dies setzt natürlich voraus, einen guten Kletterpartner zu haben und sein eigenes Können gut einschätzen zu können. Es ist wie ein Flow-Zustand – Kletterflow sozusagen.

Wie Beppo der Straßenkehrer es in „Momo“ erklärt: Es mag zunächst eintönig und die Länge der Straße überwältigend sein, die er fegen muss. Doch dann konzentriert er sich immer nur auf den Fegestrich, den er gerade in diesem Moment ausführt und dann auf den nächsten. Immer voll und ganz im Jetzt, sich des Ziels bewusst, aber mit dem Fokus auf den jetzigen Moment, schafft er es die ganze Straße mit Freude zu fegen. So ging es mir letztens ebenfalls beim Klettern.

Ich hatte mir bewusst eine schwerere Route ausgesucht, für die ich einige Pausen benötigte, aber durch die Herausforderung der Route vergaß ich die Höhe und alles um mich herum und kam schließlich oben an. Manchmal muss man sich mal selbst austricksen und in diesem Fall half es mir im jetzigen Moment zu bleiben.

2. Du baust echtes Selbstbewusstsein auf

Stell dir vor du sitzt unten auf den Boden und der Kletterlehrer erklärt ein paar grundlegende Dinge zu Technik, Ausrüstung, etc. Du schaust die Wand hoch und denkst „Oh shit, wie soll ich da je rauskommen?!“ und dann legst du los, lässt den Gedanken unten am Boden und kommst ganz oben an. Nachdem du dich abgeseilt hast und wieder unten ankommst, blickst du hoch und denkst „So schlimm war das wirklich nicht!“

Solche Erfahrungen sind wir in unserem Alltag fast nicht gewohnt. Alles ist in unserer Komfortzone.

Wenn wir dann aber etwas tun, das wir uns zunächst gar nicht wirklich zutrauen und es dann einfach tun – und noch Spaß dabei haben… du kannst dir vorstellen was das mit deinem Selbstbewusstsein macht oder? Mit jeder Route, mit jedem Fels den du machst, arbeitest du an deinem Selbstbewusstsein. Denn du schaffst es nur, wenn du daran glaubst und es immer wieder versuchst bis du die Route smooth durchklettern kannst.

Und das Gefühl am Ende es selbst geschafft zu haben ist einfach geil! Dieses Selbstvertrauen kannst du dann mit in andere Bereiche in deinem Leben mitnehmen. Es lohnt sich, an seine Grenzen zu gehen, seine Komfortzone zu erweitern und mental zu wachsen.

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3. Der Fels/die Wand gibt dir unmittelbar Feedback

Beim klettern, bekommst du unmittelbar Feedback von der Wand/dem Fels. Geht es dir gut und dein Kopf ist voller positiver, schönes Gedanken fällt es dir leicht angstfrei und mit Schwung hochzukommen. Wenn du verärgert, unfokussiert und mit negativen Gedanken loslegst, wirst du schnell merken, dass es einfach nicht läuft. Solltest du merken, dass es gerade nicht bei dir läuft, dann nimm dir kurz etwas Zeit, atme tief durch und beobachte was gerade in dir los ist.

Welche Gedanken ziehen gerade immer wieder durch dein Bewusstsein? Welches Gefühl kommt dabei auf? Wenn du dir bewusst wirst, was in dir los ist, kannst du damit arbeiten. Du kannst mit jemanden darüber sprechen oder die Emotion mit an die Wand nehmen und sie als Antrieb nutzen (Vorsicht! Bitte nicht übertreiben!) oder du lässt den Alltag schon bewusst hinter dir, wenn du deine Kletterschuhe anziehst. Dieses Feedback hilft dir dein Innenleben zu erkunden und sich damit auseinandersetzen zu können.

4. Du lernst naturbewusste und selbstbewusste Sportler kennen

Wenn du in eine Kletterhalle gehst wirst du zum einen merken wie ruhig und gelassen Kletterer sind und andererseits wirst du sehen, dass ein Kletterfreund ein Naturfreund ist. Kletterern ist es meist wichtig wie es den Felsen und der direkten Umgebung geht. Sie sind durch das Outdoor Klettern nicht nur sensibler was Umweltthemen angeht, sondern sind zwischenmenschlich auch feinfühliger.

Ein guter Kletterpartner glaubt an dich und kennt deine Fähigkeiten. Wenn er sieht, dass du gerade nicht weiterkommst, motiviert er dich und feuert dich an, damit du dein Ziel erreichst. Manchmal reicht es schon ein „Du schaffst das!“ von unten und es geht wieder weiter.

5. Du trainierst dein Mindset

Wenn du durch das unmittelbare Feedback lernst, wie du selbst tickst, was dich motiviert und welche Techniken nicht funktionieren, dann kannst du dich auch in anderen Situationen aus grübelnden Gedanken, negative Gedankenstrudel oder depressiven Stimmungen selbst rausholen. Du weißt was du brauchst und wie du es bekommen kannst. Du könntest dir beispielsweise ein Klettermantra zulegen wie „Ich bin stark.“ Oder „Ich glaube an mich.“ Und es dir vor jedem Klettern selbst vorsagen.

Es ist ja so, wenn wir etwas oft genug hören, glauben wir es schließlich. Tausch außerdem negative Gedanken beim Klettern, sobald einer aufkommt sofort in positive Gedanken um. Ein bisschen Werbung für deine eigenen Fähigkeiten ist also völlig ok und bringt dich weiter.

“The best climber is the one having the most fun.” – Alex Lowe

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6. Du lernst zu vertrauen

Vertrauen ist doch immer ein großes Thema in Leben, stimmt’s? Vertraust du dir? Vertraust du dem Leben? Vertraust du anderen? Im Kletterkurs hatten wir Falltraining. Klettern ohne Fallen gibt es nicht und wenn man den anderen Kletterern in der Halle zuschaut und seien sie noch so gut, jeder fällt regelmäßig mal runter. Sie fallen runter und werden von ihrem sichernden Kletterpartner durch das Seil aufgefangen, baumeln etwas rum und klettern weiter. Das Falltraining war für mich die größte Herausforderung.

Als ich es dann doch einfach mal versucht habe, habe ich gemerkt wie ich mich seit dem Klettern mit zwölf Jahren weiterentwickelt habe. Ich habe ein Grundvertrauen aufgebaut, das ich nicht mehr verlieren werde. Es begleitet mich jeden Tag in jeder meiner Handlungen und macht mir Entscheidungen leichter. Ist es nicht so, dass jeder einmal im Leben fällt? Wenn du über einen aufmerksamen Kletterpartner verfügst, dem du vertrauen kannst, dann kann das Fallen plötzlich sogar Spaß machen, obwohl der Boden ein ziemliches Stück weg ist.

Auch im Leben fallen wir nie wieder auf dem Boden zurück vom dem wir gestartet sind. Wir fallen ein Stück zurück und können die schwierige Stelle nochmal angehen – so lange bis wir sie bewältigen können. Klettern lehrt Vertrauen in seinen eigenen Körper, in den Kletterpartner und in das Leben selbst, denn auch mit der besten Sicherung bleibt ein Restrisiko sich zu verletzen. Aber wie der Kletterlehrer meinte:

„Wenn du einfach von der Wand springst, dich nirgends festhältst und einfach vertraust, passiert nichts.“

Und nun? Was meinst du? Wäre Klettern etwas für dich? Oder bist du bereits vom Klettervirus infiziert und dir fallen noch mehr Gründe ein?

About
Isabella ist die Seele hinter Hippie Hippie Yeah. Ihre Herzensmission ist es dir Anregungen und Inspiration zu geben, die dich deiner eigenen Natur näherbringen. Sie findet, dass Bergschuhe und ein eiskalter Munich Mule hervorragend zusammen passen und steht auf Baummeditationen und gute WG-Partys. Denn das Leben ist zu kurz, um nicht rauszugehen, yeah!

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