Warum Small Talk scheiße ist und warum ich manchmal gar nichts mehr sage

Isabella

Neulich beschlich mich dieses Gefühl. Dieses Gefühl, das ich habe, wenn ich auf einer Party oder unter Leuten bin, mit denen ich nicht connecten kann. Ein kleiner Teil wird dann immer müde und fällt fast vom Stuhl, wenn die Gespräche bei Studium, Arbeit oder Wohnort hängen bleiben. Dieser Teil ist in letzter Zeit groß geworden. Verdammt groß. Verdammt undurchsichtig. Aufdringlich und konsequent. Konsequent in dem Sinne, dass es mich verstummen lässt, wenn ein anderer Teil in mir wieder eines dieser „Wo kommst du her?“, „Was machst du?“ stellen will um sich egomäßig hervorzutun.

Ja und dann sitze ich da. Stille in meinem Kopf.

Manchmal auch Stille um mich rum – obwohl da andere Menschen sind. Ein bisschen nervös macht mich das dann. Und dann… Und dann find ich’s ganz großartig.

Aus dieser Stille heraus ist in den letzten Neubegegnungen immer was richtig Tolles entstanden. Fairerweise muss ich aber sagen, dass das nicht immer so war. Manchmal passiert dann auch nichts. Keine Verbindung. Kein Gespräch. Aber verdammt nochmal auch kein nerviger Small Talk.

Wie aus Stille Tiefe wird

Wow das haut mich um! Dass Stille so fruchtbar, so wunderbar sein kann und dann daraus der Gesprächslift automatisch eine Etage tiefer fährt und dann nur die Sätze aussteigen, die von innen kommen und wirklich verbinden. Diese Etage ist einfach wunderbar. Natürlich hilft ein bisschen Menschengespür und eine natürliche Selektion passender Events und Ereignisse, diese Momente öfters im Leben aufkommen zu lassen. Manche würden sagen: „Das kommt halt so mit dem Älterwerden. Da hat man nicht mehr so viel Lust auf Oberflächlichkeiten.“

Ist das so? Wenn ja, dann her mit den Kaffeefahrten und Stricknachmittagen!

Warum Präsenz der Shit ist

Neulich war ich auf einem Tanzworkshop und wir genossen gerade eine Pause draußen im Garten vor dem Haus bzw. Tanzraum, in dem alles stattfand. Schon bei der Begrüßungsrunde fiel mir eine Frau auf mit enormer Ausstrahlung, die jedoch leider gerade etwas sehr im Leben bedrückte, was sie in der Vorstellungsrunde in einem Nebensatz auch kundtat. In der Pause sah ich sie dann auf einer Bank, den anderen abgewandt sitzen. Sie blickte nach oben in den Blumenkohl-Wolkenhimmel und trank Tee. Ich habe in letzter Zeit festgestellt, dass ich oft für andere etwas unnahbar erscheine und wollte, wenn ich einen Impuls hatte, bedingungslos für andere da sein. Also dann: #challengeaccepted

Ich ging zu ihr hin und fragte sie ob ich ihr etwas Gutes tun konnte.

Sie blickte mich mit feuchten Augen an und bot mir wortlos den Platz neben sich an. Ich setzte mich ebenfalls ohne Worte hin und – naja von außen betrachtet saß ich da einfach und tat nichts außer mal an meinem Tee nippen. Jedoch findet Kommunikation nur zu einem kleinen Bruchteil durch Wörter statt. Wenn wir gut hinhören, wissen wir ohne Nachfragen wie es jemanden geht, wie es/sie sich für einen anfühlt und ob man mit der Person wirklich in Kontakt treten möchte oder die Automatismen und Höflichkeiten aus der Tasche packt und wie so oft einfach Sätze wie aus einem A1-Sprachkurs runterspult.

Hier war es anders.

Ich saß und war präsent. Ich war einfach für sie da. Es war egal was es war und wer sie war. Ich weiß nicht mal mehr ihren Namen. Es ist auch egal wer ich bin in diesem Moment. Es gibt da nur die Begegnung. Oder besser die Erfahrung der Begegnung mit der anderen Person. Nach einer Weile fing sie an zu erzählen was sie bedrückte und wir kamen in ein Gespräch. Es verlief in Wellen, wie wenn ein Meer aus Wörtern immer wieder an den Strand schwappte und sich dann wieder zurückzog. Es war mein erstes Mal. Mein erstes Mal, dass ich ein Gespräch zu einer anderen Person nicht zu lenken versuchte, nicht meine Gedanken sofort aussprach, sondern empathisch zuhörte und voll präsent war. Egal ob mit oder ohne Sprache. Einfach so. Fließend.

Ein Gespräch, das einen nicht auf der Verstandesebene berührt, sondern tief drinnen. Zwischen zwei Frauen, die sich vorher nie begegnet sind. Die einfach mit dem was zwischen ihnen entsteht mitschwimmen, wie Schildkröten im Meer. Ein Moment, der mich so tief ins Leben blicken lies, dass es mich eine ganze Weile danach noch beschäftigte und ich in Dankbarkeit und Freude immer noch daran denke.

Als der Workshop weiterging, bedankte sie sich dafür kurz bei mir. Nach dem Workshop war sie lautlos und schnell weg. Obwohl es mich wunderte, war es ok für mich, denn ich weiß jetzt was Begegnung ist. Hätte sie nicht offen gezeigt wie es ihr gerade ging, wären wir wohl am „Wie heißt du nochmal?“ kleben geblieben wie Fliegen auf Klebepapier. Aber so war etwas da. Ein neues Stockwerk.

About
Isabella ist die Seele hinter Hippie Hippie Yeah. Ihre Herzensmission ist es dir Anregungen und Inspiration zu geben, die dich deiner eigenen Natur näherbringen. Sie findet, dass Bergschuhe und ein eiskalter Munich Mule hervorragend zusammen passen und steht auf Baummeditationen und gute WG-Partys. Denn das Leben ist zu kurz, um nicht rauszugehen, yeah!

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